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Abstract: Tatbegehungsmerkmale und Prognose bei Sexualstraftätern

Während die Analyse des Tatverhaltens seit jeher einen festen Platz in der idiografischen Einzelfallbeurteilung der Rückfallrisiken von Rechtsbrechern hat, wurde das konkrete Verhalten der Täter bei der Tatbegehung von der empirischen Erforschung rückfallprädiktiver Risiko- und Schutzmerkmale bislang eher vernachlässigt. Dem entspricht, dass auch standardisierte Prognoseinstrumente gewöhnlich ein starkes Gewicht auf die strafrechtliche Vorgeschichte des Täters, auf demografische Faktoren oder auf Persönlichkeits- und psychopathologische Merkmale legen, Besonderheiten des eigentlichen Tatverhaltens jedoch weitgehend unberücksichtigt lassen. Der Fokus des Workshops liegt daher in der Frage nach den tatsächlichen Potentialen von Tatverhaltensmerkmalen für die Einschätzung der Rückfallrisiken von Sexualstraftätern und die Ausrichtung von Behandlungs- und Präventionsmaßnahmen. Im Zentrum steht dabei ein standardisiertes Tatbildrisikoinstrument, das kürzlich an einer Stichprobe von N=955 Sexualstraftätern zur Einschätzung der einschlägigen Rückfallrisiken entwickelt wurde und eingeführte Prognoseinstrumente ergänzen soll. Anwendung und Nutzen des Instruments, aber auch weiterer tatverhaltensbasierter nomothetischer Ansätze sollen dabei anhand von Fallbeispielen erläutert werden.

 

Klaus-Peter Dahle, apl. Prof. Dr. phil., Fachpsychologe für klinische Psychologie/Psychotherapie und für Rechtspsychologie, psychologischer Psychotherapeut; 1988-1993 Institut für Forensische Psychiatrie der Freien Universität Berlin, 1993-1995 Kriminologische Zentralstelle Wiesbaden, seit 1996 Institut für Forensische Psychiatrie der Charité Berlin, seit 1990 Gutachten u.a. zur Kriminalprognose, strafrechtlichen Schuldfähigkeit und strafrechtlichen Entwicklungsreife von Rechtsbrechern; Forschungsarbeiten u.a. zu Fragen der Behandlungsmotivation inhaftierter Rechtsbrecher, zur Behandlungseffizienz, zu Rückfallkarrieren erwachsener Rechtsbrecher und zur Entwicklung und Evaluation nomothetischer und idiografischer Prognosemethoden